Minimalismus und die fünf Freiheiten (V. Satir)

Woran denkst du, wenn du an das Thema Minimalismus denkst? Für mich steht Minimalismus für ein Leben mit Dingen, die einem im Hier und Jetzt wichtig sind. Dabei ist der Begriff “Ding” hier weit zu fassen.  Ein Ding kann in dieser Lesart ein Gegenstand sein, aber auch eine Beziehung zu einem Menschen oder eine Verhaltensweise.
Unser Leben ist Veränderung. Das, was sich nach einer sehr einfachen Aussage anhört, ist eine wichtige Erkenntnis. Für mich ist das Annehmen der Veränderungen im Leben ein Grundpfeiler für Entwicklung. Das Annehmen von Veränderung – unabhängig davon, welche Bedeutung wir ihr geben – ist auch ein fester Bestandteil des Achtsamkeitstrainings. Dadurch, dass wir den Moment ansehen, wie er ist, gelingt es immer mehr auch die Veränderungen im Leben anzuerkennen.

Was Achtsamkeit mit Minimalismus zu tun hat.

Minimalismus steht für mich für ein Leben im Hier und Jetzt. Dafür muss ich das erstmal sehen, was ist, und meine Brille der Bewertungen abnehmen – wenigstens für einen Moment. Dann kann ich sehen, wie mein Leben wirklich ist. Dieser klare Blick auf das eigene Leben, braucht Mut. Wenn ich mit mir gut im Kontakt bin, dann kann ich auch meine Verhaltensweisen beobachten. Dies ist ein Weg zur bewussten Veränderung von Dingen, die mir in meinem Leben nicht mehr dienlich sind. So kann ein Spaziergang durch die eigene Wohnung eine Einladung sein, die Dinge zu identifizieren, die in meinem Leben heute nicht mehr dienlich sind. Dinge, die mich belasten, anstatt mir Lebensqualität zu schenken.

Diese Sichtweise können wir auch auf Gedanken und Verhaltensweisen übertragen. Stress und negative Gefühle entstehen oft, wenn wir uns alter Verhaltensmuster bedienen, die im Hier und Jetzt nicht mehr hilfreich sind. Ja, diese Muster hatten einmal ihren Wert, als wir noch an einem anderen Punkt in unserem Leben waren. Damit meine ich keine berufliche Position, sondern einen Punkt in unserem ganz eigenen Entwicklungsprozess. Das anzuerkennen ist ein erster Schritt zur Veränderung. Ich sehe die Dinge so, wie sie sind: Diese Verhaltensweisen waren einmal hilfreich. Jetzt sind sie es nicht mehr.

Und dann kann ich anfangen, meine Kraft in die Hand zu nehmen und Verantwortung für mein Leben und meine Entscheidungen zu übernehmen. Dann kann ich zum aktiven Gestalter meines Lebens werden. So ist es mir möglich in eigener Verantwortung ein Leben zu gestalten, dass nicht auf einem Fundament von überholten Verhaltensmustern steht, sondern meinem heutigen Entwicklungsstand entspricht. Was für eine wundervolle Perspektive!

Virginia Satir, eine bekannte Familientherapeutin, hat dazu die fünf Freiheiten entwickelt. Diese fünf Freiheiten sind nicht nur in meiner Arbeit als Coach und Beraterin wichtig, sondern begleiten mich durch mein ganzes Leben. Vielleicht unterstützen sie auch dich.

Die fünf Freiheiten nach Virginia Satir.

1. Die Freiheit zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist – anstatt das, was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird.
2. Die Freiheit, das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke – und nicht das, was von mir erwartet wird.
3. Die Freiheit, zu meinen Gefühlen zu stehen – und nicht etwas anderes vorzutäuschen.
4. Die Freiheit, um das zu bitten, was ich brauche – anstatt immer erst auf Erlaubnis zu warten.
5. Die Freiheit, in eigener Verantwortung Risiken einzugehen – anstatt immer nur auf „Nummer sicher zu gehen“ und nichts Neues zu wagen.

(aus: Virginia Satir – Mein Weg zu dir.)