Akzeptanz: Was es wirklich bedeutet in Zeiten von Corona einen Präsenzkurs zu besuchen – und warum ich mich für Onlinekurse entscheide

“Alles ändert sich.” oder “Die Zeiten ändern sich.” – Diese Sätze habe ich schon oft in meinem Leben gehört. Oft genug habe ich sie für einen dieser flachen Kalendersprüche gehalten. Doch in den letzten vier Monaten hat sich meine Realität und die Welt, wie ich sie wahrnehme, so verändert, dass mir nun nichts anderes mehr übrig bleibt als anzuerkennen, dass nichts mehr ist, wie es im Februar 2020 geplant war.

Ich liebe es, Menschen in Trainings, Kursen und Coachings zu begegnen und sie dabei zu begleiten, ein Leben aktiv zu gestalten, das zu ihnen passt. Mit dem Beginn der Hochphase von Corona hat dieses Engagement zunächst ein jähes Ende gefunden, um sich dann auf Onlinetrainings zu verlagern. Das ist ganz sicher keine Entwicklung, die ich mir so gewünscht hätte, denn auch ich mag es, wenn ich das Gefühl habe, das Leben zu gestalten, statt irgendwelchen Veränderungen im Außen ausgeliefert zu sein. Nach vier Monaten Onlinetraining ist es Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Denn es gab in dieser Zeit auch einige überraschende Erkenntnisse. Vier davon teile ich mit dir in diesem Text.

Doch der Schock ist nun auf vielen Ebenen vorbei und wir alle haben uns in unserer neuen Realität irgendwie zurechtgefunden. In diesen Tagen erreichen mich immer wieder Anfragen, ob meine Kurse denn wieder als Präsenzkurs stattfinden oder wann man wieder zu Präsenztrainings zurückkehren kann. Ich kann diese Fragen so gut verstehen, denn sie begleiten mich durch die letzten Monate. Jedoch kenne ich darauf nur eine Antwort: Wann Präsenzkurse wieder stattfinden können, weiß ich nicht. Ich biete aktuell ausschließlich Onlinekurse an. Wie das Leben selbst, ist auch die Entwicklung vom Infektionsgeschehen weder absehbar noch planbar. Wir fangen ja gerade erst an etwas besser zu verstehen, wie das Virus funktioniert.

Wenn wir in diesen Zeiten darüber nachdenken, ob wir an einem Onlinekurs teilnehmen wollen oder doch lieber einen Präsenzkurs buchen, erliegen wir oft dem logischen Fehler, dass wir Onlinekurse und Präsenzkurse auf Grund unserer Erfahrung (also einer vergangenen Situation) vergleichen. Dabei kommen Onlinekurse ziemlich schlecht weg. Allerdings unterscheiden sich Präsenzkurse in Zeiten von Corona deutlich von allen vergangenen Situationen, die wir für diesen Vergleich heranziehen können. Wenn wir an Präsenzkurse denken, die uns bewegt haben, dann denken wir an ungezwungene Gespräche in der Küche, den verbindenden Austausch zu zweit in einer Übung und die anregende Diskussion in der Kleingruppe. Mir fehlen solche Präsenzkurse und ich kann gut verstehen, wenn es dir genauso geht. Jedoch ist nichts davon unter den aktuellen Bedingungen mehr möglich.

Ein Präsenztraining unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Hygienevorschriften stelle ich mir in etwa so vor: Wir sitzen alle an unseren festen Plätzen im Raum. Auch ich sitze während der Veranstaltung auf einem Stuhl. Da ich laut sprechen muss, damit mich alle im Raum hören können, ist die Aerosolbelastung durch mich im Raum besonders hoch. Doch eigentlich ist es egal, wie laut ich spreche, und wie deutlich ich versuche, die Worte zu artikulieren: Man wird mich schlecht verstehen können, weil ich durch einen Mund-Nasen-Schutz spreche, den ich während der ganzen Veranstaltung trage. Die Distanz von mindestens drei Metern bis zur ersten Person im Raum kommt noch erschwerend hinzu. Die Teilnehmenden können selbst entscheiden, ob sie während der Veranstaltung einen Mund-Nasen-Schutz tragen – sofern sie an ihrem Platz bleiben.
Übungen zu zweit oder in Kleingruppen sind nur mit Mundschutz und in der immer gleichen Zusammensetzung möglich. Wie soll da ein kreativer Austausch entstehen, wo doch gerade der Wechsel in den Gruppen zur Methode gehört? Auf die Arbeit in Kleingruppen muss verzichtet werden, da sie nur mit 1,5 Meter Abstand und Mundschutz durchgeführt werden können. Also bleibt nur der Vortrag als Medium.
Während der gesamten Veranstaltung sind die Fenster weit geöffnet, um eine angemessene Luftzirkulation zu gewährleisten. Wenn es gut läuft, ist es angenehm kühl, wenn wir im permanenten Luftstrom sitzen. Läuft es schlecht, sitzen wir alle warm angezogen in permanentem Durchzug – unabhängig vom Wetter. Übungen zu zweit können – sofern es das Wetter erlaubt – draußen im Gehen durchgeführt werden. Für Entspannungsübungen werden Matten zur Verfügung gestellt, die nach Benutzung von jedem desinfiziert werden. Decken und Kissen muss sich jede*r selbst mitbringen.
Erfahrungsbasierte Methoden, wie ich sie so gern mache, sind nicht möglich, da man sich keine Gegenstände reichen oder mit anderen Menschen teilen kann. Die Bälle, anhand derer ich im aktiven Tun gern so viel erkläre, bleiben in der Schublade.
Auf dem Gang werden die Laufwege mit Markierungen geregelt, damit sich die Menschen nicht begegnen. Die Pausen müssen draußen verbracht werden. Die Küche kann nicht benutzt werden, ein Catering mit offenen Speisen darf nicht angeboten werden.

Ich kann mir nicht helfen, aber so richtig will sich in meiner Vorstellung kein Gefühl von Gemeinschaft einstellen, wenn wir all diese aktuell notwendigen Vorschriften einhalten. Deshalb habe ich mich für Onlinekurse entschieden und würde es immer wieder tun. Nachdem ich in der vergangenen Woche meine vier überraschenden Kenntnisse nach vier Monaten Onlinetraining mit dir geteilt habe, möchte ich heute mit dir teilen, was es konkret bedeutet, an einem Onlinekurs teilzunehmen.

  • Was es wirklich bedeutet, einen Onlinekurs zu besuchen:
  • Du entscheidest dich JETZT, etwas für dich zu machen – und nicht zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft.
  • Du holst dir Inspirationen und Impulse direkt zu dir nach Hause. So kannst du Neues lernen, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen.
  • Du nutzt nur Materialien, die du zuhause hast – so kannst du gleich mit dem Umsetzen beginnen, ohne dich noch mit dem aufwändigen Beschaffen von Dingen zu beschäftigen.
  • Du beginnst dort, wo du stehst und kannst die Dinge dort umsetzen, wo du sie brauchst – statt im künstlich perfekten Setting eines Kursraumes für den Alltag zu üben.
  • Der Kurs begleitet dich in deinem Alltag, ganz egal ob du gerade zuhause bist, ein paar Tage Urlaub machst oder beruflich unterwegs bist. Dein letzten Meeting des Tages hat sich verzögert? Kein Problem, durch den Onlinekurs kannst du dich vom Büro und von unterwegs dazuschalten.
  • Du minimierst deine sozialen Kontakte und schützt damit dich und andere vor einer Infektion mit dem Coronavirus.
  • In einem geschlossenen Raum ist das Risiko sich mit dem Coronavirus zu infizieren 19-mal höher als im Freien. Auch wenn wir mindestens stündlich Lüften oder uns bei geöffnetem Fenster treffen, um einen regelmäßigen Luftaustausch zu gewährleisten, findet der Kurs dennoch in einem Innenraum statt. Wenn du dich für einen Onlinekurs entscheidest, vermeidest du das Risiko, dich in einem geschlossenen Raum anzustecken.

  • So läuft ein Onlinekurs ganz praktisch ab:
  • Wir treffen uns in einem virtuellen Raum und du begegnest mir und anderen Kursteilnehmer*innen von Angesicht zu Angesicht – ganz ohne Mundschutz, Abstandsregelungen und Hygienevorschriften.
  • Jede Kurseinheit ist abwechslungsreich gestaltet. Meist beginne ich mit einem kurzen Impulsvortrag, dann tauschen wir uns in der Gruppe zu den Übungserfahrungen aus und üben gemeinsam.
  • In jeder Kurseinheit gibt es auch Übungen in Kleingruppen oder Partnerübungen. Durch die verwendete Technik kann sich jede Gruppe in einem individuellen digitalen Raum treffen und vertraulich Informationen und Erfahrungen austauschen. Aufgrund der aktuell geltenden Hygienevorschriften wären solche Gruppenübungen in einem Präsenzkurs – wenn überhaupt – nur mit Mund-Nasen-Schutz und 1,5 Meter Abstand zulässig.
  • Du schaltest die Webcam nur zu dem Zeitpunkt und an dem Ort an, wo du es möchtest. Für den Austausch zum Beginn des Kurses treffen wir uns z.B. bei dir am Küchentisch, deinem Arbeitsplatz oder an einem anderen Platz, der für dich passt.
  • Während der praktischen Übungen, die im Sitzen oder Liegen stattfinden, schaltest du die Kamera aus und wechselst an den Platz, der für die Übung gut passt, z.B. gehst du aufs Sofa, legst dich auf eine Matte oder aufs Bett. Wir praktizieren alle Übungen im Liegen und Sitzen ohne eingeschaltete Kamera, denn bei der Wahl des besten Platzes geht es nicht um die Perspektive der Kamera, sondern darum, dass du dich dort wohlfühlst. Damit der Ortswechsel am besten gelingt, ist es hilfreich, mit einem Laptop, Smartphone oder Tablet teilzunehmen, so dass du während des Kurses mobil bist. Wenn dein Computer an einem günstigen Platz steht, geht das auch. Die von mir gewählte Technik erlaubt es auch, dass du bei Bedarf mit zwei Geräten teilnimmst. Dann könntest du ein Gerät pro Übungsort nutzen.
  • Wenn du auf den Einsatz der Kamera komplett verzichten musst/möchtest, geht das auch. Du kannst an allen Kursen auch ausschließlich per Telefon teilnehmen. Für deine Teilnahme erhältst du für jede Sitzung einen Link und eine Festnetznummer, unter der du dich aus allen Ländern der Welt einwählen kannst. Damit kannst du auch am Kurs teilnehmen, wenn du während der Kurszeit im Urlaub oder unterwegs bist.
  • Damit es wenig Störgeräusche für dich und alle anderen Kursteilnehmer*innen gibt, empfehle ich ein Headset zu nutzen. Ein Headset von deinem Handy reicht z.B. völlig aus.

Hier findest du meine aktuellen Themen und Termine für Kurse, die bis auf weiteres online stattfinden.

Berlin, 26.07.2020