Warum wir mehr von unseren Schattenseiten zeigen sollten.

Wir zeigen anderen Menschen gern die vermeintlich beste Seite von uns. Wir zeigen ihnen die Sonnenseite, die strahlende Seite ohne Makel. Wir posten dann schöne Bilder auf Instagram oder Facebook von unserem Leben, geistreiche Sprüche und Fotos unserer durchtrainierten Körper. Dabei gibt es bei jedem von uns auch die andere Seite – die Seite ohne den Instagram-Filter. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Wo Freude ist, ist auch Leid. Wo Glück ist, ist auch Unglück.

Was uns zurückhält

Wovor haben wir Angst? Warum zeigen wir uns nicht in all unseren Facetten? Warum haben nur bestimmte Seiten von uns ein Recht darauf von der Welt gesehen zu werden? Welche Filter wenden wir hierfür an? Welche Seiten an uns sind es, die es in unseren Augen wert sind, der Welt gezeigt zu werden? Und welche Seiten verstecken wir lieber? Und wie würden wir entscheiden, wenn wir uns dieser mentalen Einschränkung bewusst wären? Was würden wir von uns zeigen, wenn wir den mentalen Filter anders setzen würden?

Was man in Momenten des Misserfolgs lernen kann

Wir zeigen gern unsere Erfolge. Doch was ist mit unseren Misserfolgen? Sind unsere Momente des Scheiterns denn wirklich unwichtiger als unsere Erfolge?
Momente des Misserfolgs sind doch gerade die Situationen, in denen wir erkennen was uns wichtig ist. Vielleicht erkennen wir in diesen Momenten auch, dass unser Ziel doch ein anderes war. Ganz sicher lernen wir in solchen Momenten viel über uns selbst: Wir lernen unsere Werte kennen. Wir erleben uns im Umgang mit uns selbst, wenn wir unser Ziel nicht erreichen.
Manchmal entdecken wir auf diesem Weg auch, dass uns ein etwas gelassenerer Umgang mit uns selbst gut tun würde. Manchmal entdecken wir auch, wie wir uns mit unseren eigenen Gedanken behindern.

Schattenseiten machen einen Menschen erst facettenreich

Mir geht es in Gesprächen immer so, dass ich mich einem Menschen sehr nah und verbunden fühle, wenn ich ein bisschen in seine Geschichte eintauchen kann. Ein wirklicher Kontakt geschieht für mich nicht über den Austausch von Oberflächlichkeiten, Geschichten und Bildern, die durch den Instagram-Filter gegangen sind. Ein wirklicher Kontakt entsteht für mich immer dann, wenn der Mensch, der mir gegenüber sitzt facettenreicher wird. Für mich gehören die Schattenseiten, die vermeintlichen Misserfolge und Fehler zum Facettenreichtum und Menschsein dazu.

Eine Schattenseite aus meinem Leben

An dieser Stelle möchte ich gern von einer Schattenseite aus meinem Leben berichten. Wie du vielleicht weißt, bewirtschafte ich in diesem Jahr wieder einen Gemüsegarten. Die Gartenarbeit bereitet mir viel Freude und die Zeit in der Natur und an der frischen Luft tut mir einfach unglaublich gut. Das Gemüse, was wir bisher auf dem Feld ernten konnten, ist so unglaublich frisch und lecker, dass ich mir das ganze Jahr über so einen frischen Hochgenuss wünschen würde.

Licht und Schatten auf dem Feld

Und dennoch hat die Arbeit auf dem Feld eine Schattenseite, von der ich noch nicht oft erzählt habe: Das Wetter war in diesem Jahr – euphemistisch formuliert – sehr abwechslungsreich. Der Regen hat dem Boden gut getan und das Gemüse ist fleißig gewachsen. Ich habe davon ja auch immer wieder Bilder gepostet. Das ist die Sonnenseite der Geschichte.
Leider haben sich durch den vielen Regen aber auch bestimmte Krankheiten schnell und stark ausgebreitet. In diesem Jahr hat das feuchte Wetter meine geliebten Tomatenpflanzen und den Kartoffeln so zugesetzt, dass sich die Braunfäule sehr schnell und stark ausbreiten konnte.
Von der Braunfäule hört man üblicherweise nichts, wenn man seine Tomaten sonst im Supermarkt oder auf dem Markt kauft. Bei der Braunfäule handelt es sich um einen Pilz, der die Pflanzen und Früchte v.a. von Tomaten und Kartoffeln befällt. An den Früchten bilden sich braune Stellen und der Verzehr von befallenen Früchten ist gesundheitsschädlich. Die Pilzsporen sind kanzerogen. Es besteht also kein Zweifel, dass man diese Tomaten lieber nicht essen sollte.

Das Ende eines glorreichen Tomaten-Sommers?

Auf die leckeren, sonnengereiften und aromatischen Tomaten – frisch vom Feld – habe ich mich schon seit dem letzten Saisonende gefreut. Die Tomaten im letzten Jahr waren einfach unglaublich lecker. Noch dazu gab es so unglaublich viele Tomaten, dass ich sie auch gern verschenkt habe. Mein Umfeld hatte so auch noch etwas davon.
Und jetzt? Jetzt bleibt mir nur eine kleine Freude der letzten Ernte, denn ich musste einen großen Teil der reifen Früchte vernichten, da sie von der Braunfäule befallen waren. Was jetzt noch bleibt, ist die leise Hoffnung, dass nicht alle Pflanzen bereits befallen sind und dass es noch ein paar gesunde Früchte geben wird.