Wie die Wahl des Verkehrsmittels die Reiseerfahrung beeinflusst.

Reisen macht den Kopf frei. So war das bei mir schon immer. Der Ortswechsel macht etwas mit mir. Dabei ist es eigentlich egal, ob die Reise ins schöne Brandenburger Umland geht oder etwas weiter weg. Das eigene Leben, Handeln und Erleben sieht – aus der Ferne betrachtet – immer ganz anders aus, als wenn man mittendrin ist, im eigenen Erleben und im eigenen Alltag. Mir ist es wichtig, ab und zu mal aus dem Alltag auszufliegen und zu schauen, welche Impulse mir der Aufenthalt an einem anderen Ort gibt.

Wenn wir reisen, entscheiden wir uns bei der Planung der Reise oder des Ausflugs schon, mit welchem Fortbewegungsmittel wir unser Ziel erreichen wollen. Je nach Entfernung entscheiden wir uns für ein für uns passendes Fortbewegungsmittel. Manchmal ist es auch eine persönliche Vorliebe, ob ich lieber mit dem Auto und viel Gepäck ganz bequem unterwegs sein möchte oder ob ich im Zug entspannen möchte, mich transportieren lassen möchte und vielleicht in einem Buch lesen. Nicht nur die Wahl des Reiseziels, sondern auch die Wahl des Fortbewegungsmittels, welches ich benutze, wird einen Effekt haben auf die Erfahrungen, die ich während der Reise mache.

Jemand, der von Berlin nach München mit dem ICE wird von seiner Reise etwas anderes berichten, als jemand, der mit dem Auto gefahren ist. Wer mit dem ICE fährt, berichtet vielleicht von Verspätungen, spontanen Gleiswechseln und netten Zugbekanntschaften.

Legt jemand die Strecke im Auto zurück, berichtet er vielleicht von einem tollen Hörbuch, was ihn auf der Fahrt begleitet hat. Oder er berichtet von dem guten Kaffee, den er überraschenderweise auf der Autobahn getrunken hat oder dem Stau, in dem er gesteckt hat. 

Und wenn jemand de gleiche Strecke mit dem Fahrrad zurücklegt, wird er vielleicht von Knieschmerzen berichten, einem Regenguss, dem er knapp entkommen ist und einem wunderbaren See, an welchem er entlang gefahren ist. 

Würde man die Strecke nach München laufen, würde der Reisebericht bestimmt länger ausfallen. Einfach, weil es viel länger dauert, diese Strecke zu Fuß zurückzulegen. Die Person würde vielleicht berichten von spannenden Gesprächen in Unterkünften auf der Wegstrecke, Blasen an den Füßen und dem Gefühl, wie es sich anfühlt bei Regen trotzdem weiterzulaufen. 

Jedes dieser Fortbewegungsmittel hat seinen Reiz – und ändert unsere Wahrnehmung im gleichen Moment. Vielleicht ist dieser Impuls für Dich ein Anreiz einmal bei der Reiseplanung nicht nur intensive Überlegungen nach dem Reiseziel anzustellen, sondern auch zu überlegen, welches Fortbewegungsmittel Du wählen möchtest. Es ist so immerhin eine aktive Entscheidung für bestimmte Erfahrungen, die Du Dir in dieser Zeit erlaubst. Und es ist natürlich auch immer eine Entscheidung gegen bestimmte Erfahrungen im gleichen Moment. Denn wenn Du beispielsweise mit dem Flugzeug die Strecke zurücklegst, wirst Du die Erfahrung z.B. des Bordservices machen – die Du nicht haben wirst, wenn Du mit dem Zug nach München fährst.